Dienstag: Schwester Lidovina, die Frauengruppe und der ungewöhnliche Gottesdienst

Am Dienstagvormittag besuchten Martha und Sabine zusammen mit den Pastoren Norma und Jorge sowie deren Sohn Daniel das älteste Gemeindemitglied, Lidovina. Die etwa 85- jährige Frau – ihr Alter ist nicht genau bekannt- hat letztes Jahr ihren Mann verloren, der sie zuvor immer mit zur Kirche brachte.

Sie lebt im Stadtteil „Las Flores“, einem noch ärmeren Viertel als „San Agustin“. Liduvina lebt seit 70 Jahren in Lima und hat jahrzehntelang in einer Schuhfabrik gearbeiter. Ihr Mann Frederico war bei einem staatlichen Transportministerium angestellt, wodurch sie jetzt in der glücklichen Lage ist, eine kleine Witwenrente zu erhalten, die ihr den Lebensunterhalt mehr oder weniger gut sichert.

Aufgrund der Entfernung und der nachlassenden Sehkraft ist es ihr nicht mehr möglich, die Kirche regelmäßig zu besuchen, obwohl sie sehr religiös ist. Sie lebt in einem kleinen, bescheidenen Backsteinbau mit einer zur Straße hin offenen Veranda mit Wellblechdach. Aufgrund der beengten Wohnverhältnisse konnten wir nur eine Abordnung unserer Delegation schicken. Sie hat einen Sohn und vier Enkelsöhne, die sich um sie kümmern, soweit es deren Arbeit zuläßt. Die Nachbarn sehen auch des öfteren nach ihr . Daher möchte sie aus ihrer vertrauten Umgebung nicht wegziehen.

Die schon durch den plötzlichen Tod ihres Mannes getroffene Frau erlebt durch eine beginnende Erblindung aufgrund einer Makuladegeneration einen weiteren Rückschlag. Dennoch bleibt sie fest im Glauben und so sang unsere Truppe gemeinsam mit ihr ein paar christliche Lieder.

Am Nachmittag war um 3 Uhr das Treffen der Frauengruppe nebenan. Evelia leitet diese und ging mit uns -Sophia, Martha, Sabine und mir, Rebecca- rüber in die Kirche.

An einem runden Tisch waren bereits einige Frauen versammelt, darunter auch Norma, die Frau des Pastors.

Die Ankündigung, es werde erst eine Stunde gehandarbeitet, bevor man in der Bibel lesen würde, stieß auf gemischte Gefühle. Während Sabine eher zurückhaltend erklärte, sie habe zwei linke Hände, beteiligten wir anderen uns. Auf Styroporrahmen werden Geschenkbänder gewebt und diese werden dann anschließend vernäht und als Vorderseite eines Kissens benutzt.

Die Kissen werden über das Internet zum Verkauf angeboten.

whatsapp-image-2016-10-21-at-09-24-56
Martha interessiert sich für die verschiedenen Muster.
whatsapp-image-2016-10-21-at-09-25-17
Einen Kissenbezug, an dem Martha schließlich weiterarbeitet.
whatsapp-image-2016-10-21-at-09-25-43
Martha arbeitet an dem Kissenbezug weiter.
whatsapp-image-2016-10-21-at-09-26-07
Uns wird erklärt, wie wir die Geschenkbänder zu weben haben.
whatsapp-image-2016-10-21-at-09-26-33
Unsere Werke in der Stunde Handarbeit.

Nach einer Stunde Handarbeit begann Norma mit der Bibelstunde. Nachdem sich jeder ein Lied wünschen durfte, erzählte Norma von der Heilung eines Gelähmten durch Petrus und Johannes mit einem Aufruf an uns, auch anderen Gott näher zu bringen und ihnen so zu helfen.

Als schließlich die eigentliche Stunde beendet war, wurden jedem von uns Kissenbezüge geschenkt und eine der Gemeindeschwestern bereitete eine typisch peruanische Nachspeise vor.

whatsapp-image-2016-10-21-at-09-26-56
Die Frauengruppe hat uns allen ein Kissen mitgebracht.
whatsapp-image-2016-10-21-at-09-27-56
Die Gemeindeschwester backt ein typisch peruanisches Gebäck – Picarones.

Das Gebäck besteht aus einem in Fett ausgebackenem Teig und wir in Honig gedippt.
Martha wollte natürlich sofort das Rezept haben.

whatsapp-image-2016-10-21-at-09-27-08
Die Frauengruppe und unsere kleine Abordnung.

Am Abend war um 8 Uhr ein Gottesdienst angekündigt. Was hier 8 Uhr hieß, begann peruanisch mal wieder eine halbe Stunde später. In einem Kreis sitzend lasen wir nacheinander je einen Vers von Jesaja Kapitel 1. Hiebei handelt es sich um die Geschichte um die Zerstörung Jerusalems. Wir wurden alle aufgefordert, uns dazu zu äußern und so wurden verschiedenste Meinungen, Kommentare zu den Versen eingebracht. Besonders betonte Jorge dabei, dass das Volk Israels, obwohl es sogar ein Esel und ein Ochse kann, nicht ihren eigenen Herrn erkennen würden.
Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes legte eine der Gemeindemitglieder ein „Zeugnis“ ab, wie es in Freikirchen häufig üblich ist. Sie sprach davon, wie sie durch die Misshandlung ihres Mannes depressiv wurde, sich den Medikamenten aber mit Gottes Beistand aus Angst vor einer lebenslangen Abhängigkeit entzog und sich schließlich nach einer zwischenzeitlichen Trennung ihrem Mann wieder annäherte.

Im Anschluss an dieses Zeugnis erklärte uns Daniel, der wieder übersetzte, es sei nun üblich sich für 20 Minuten vor den Altar oder irgendwo anders in der Kirche zu knien um still zu beten. Da das Knien doch etwas befremdlich auf uns wirkte, saßen wir 4 lieber still auf der Bank, um zu beten.

whatsapp-image-2016-10-21-at-09-28-11
Jeder betet für sich allein zu Gott.

Nachdem wir wieder auf unseren Plätzen saßen, wurde Popcorn hereingetragen. Daniel, der am Mittwoch 24 Jahre wurde, meinte sein Geburtstag würde wie häufig in Peru einfach einen Tag vorgezogen.

Während also das Popcorn rumging, stand jeder auf, gratulierte und sagte ein paar Worte. Nach dieser, für unsere Verhältnisse etwas ungewöhnlichen Gratulationsrunde, wurde mit Kaffee und Kuchen, den Daniels Schwester gebacken hatte, sich einfach etwas unterhalten. Es gab auch einen weiteren typischen Nachtisch, für den wir 4 jedoch alle zu satt waren.

whatsapp-image-2016-10-21-at-09-28-29
Das (fast) Geburtstagskind- der aufmerksam schauende junge Mann- hört jeder Gratulation freudig zu …
whatsapp-image-2016-10-21-at-09-28-49
… und bedankt sich schließlich bei allen – und natürlich bei Gott.

Mit diesem sehr lang geworden „Gottesdienst“ endete der Tag für uns.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s