Mittwoch: das Umweltprojekt und die Bibelstunde in ungewöhnlichen Räumlichkeiten.

Der Mittwoch begann zum Glück nicht so früh. Für uns in voller Stärke – alle Kranken vom Vortag hatten sich etwas erholt – stand um 10 Uhr die Vorstellung des Umweltprojektes der Kirche auf dem Programm.

Angelina, Malys Mutter, leitet die Arbeit, die 2009 begonnen wurde. Während es am Anfang ein Fulltimejob war – es mussten viele Klinken geputzt werden – muss sie nun vor allem abends telefonieren oder trifft sich mit der Gruppe. Dieses Projekt wurde zwar zunächst nur in Lima gestartet, breitete sich jedoch aus und wird bereits in anderen Ländern wie Bolivien durchgeführt.
Hier in Lima gibt es drei große Firmen, die die Umwelt stark belasten.

Gegen diese Belastung und auch die immer wieder vorkommende Korruption protestiert die Gruppe und veranstaltet Aktionen. Inzwischen helfen dabei auch 2 Schulen der Umgebung. Es gab verschiedenste Projekte wie Kundgebungen, Messen, Aufklärungsarbeit, Müllsammel- und Verschönerungsaktionen und an einer Schule eine Modeschau mit Kleidern aus Abfall (z.B. Zeitung/Plastiktüten).

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Angelina zeigt uns anhand einer Präsentation die Arbeit des Umweltprojekts der Kirche.

Sobald Angelina uns all dies in einer Präsentation vorgestellt hatte, machten wir uns auf zu den beiden Schulen.

Als wir bei der 1. Schule ankamen, hörte man bereits laut Musik. Im Innenhof wurde deutlich warum: zum anstehenden Jubiläum der Schule übten die Schüler Tänze und schmückten die Schule. Von jungen Schülergruppen umlagert, wurde uns gezeigt, wie man die Schule mit Rasenflächen begrünt und auch die Müllentsorgung optimiert hatte.

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Die Kinder bereiten sich auf die Geburtstagsfeier der Schule vor.
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Dies ist eine der Grünflächen, die das Umweltprojekt an der Schule anlegte.

Anschließend wurden uns ein paar Klassen vorgestellt – eine 3., eine 1. und eine 8. Klasse. Diese erzählten uns etwas über den Unterricht, auch wenn das selbst mit dem Umweltprojekt nur bedingt etwas zu tun hatte. Am lustigsten war für uns dabei vermutlich die Frage nach unserer Haarfarbe: ob wir die gefärbt hätten?

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Die 1. Klasse singt gemeinsam mit ihrer Lehrerin ein Lied.
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Auch die 8. Klasse lernt fleißig…
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… auch mit dem Einsatz moderner Mittel.
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Der Rektor führte uns während unseres Besuches herum.

Um zu der zweiten Schule zu gelangen, gingen wir den Weg zurück, den wir gekommen waren, und erreichten schließlich die andere Schule nahe Malys Kindergarten.

Auch hier wurden wir vom Rektor herumgeführt, der uns die Bemühungen seiner Schule zeigte. Trotz des beschränkten Platzes wurden mehrere Bäume gepflanzt. Aus alten Plastikflaschen hatten die kleineren eigene Töpfe gebastelt und diese bepflanzt. Die Kleinsten hatten bunte Kisten bepflanzt. Des weiteren erzählte uns eine Lehrerin, sie würden die Wände durch Pflanzvorhänge mit Taschen begrünen.

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Die selbstgestalteten Plastikflaschenblumenkästen.
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Die Kleinsten bepflanzten verschiedene Kisten.
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Eine Lehrerin zeigt Martha und Sabine die Vorhänge zur Begrünung der Wände.

Nachmittags kam Hilda von der Arbeit im Kindergarten vorbei und brachte uns einen typischen peruanischen Nachtisch, eine Fruchtgrütze basierend auf lila Mais. Das nicht ganz so süße Kompott hatte große Ähnlichkeit mit dem auch aus lila Mais gewonnenen Getränk, Chicha morada. Leider hatten wir nicht viel Zeit, um uns mit Hilda zu unterhalten, da wir bereits um halb 5 weiter mußten. Pastor Jorge und sein Sohn Daniel holten uns ab, damit wir sie zu einer Bibelstunde in einer Sargfabrik in Jicamarca begleiteten. Mit dem Bus gelangten wir zu einer Hochbahnstation. Durch den Feierabendverkehr war die Hochbahn sehr gut befüllt. Aber laut Daniel war das längst noch nicht voll, schließlich hätten noch Leute reingepaßt.

Als wir nun in der Endstation ankamen, war es noch hell, so konnte man sehr gut die umliegenden Berghänge betrachten. An diesen wirkte es, als würden sich die bunten Häuser festklammern. Trotz der teilweise katastrophalen Lage – kein Wasser, kein Strom, keine richtigen Wege – erwerben auch diese Bewohner die Grundstücke von der Mafia. Die Sargfabrik selbst wirkte sehr unscheinbar. Man erkannte erst auf dem zweiten Blick, was hier produziert wird.

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Die bunten Häuser stehen ohne Wasser, Strom und Wege an den Berghängen.
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Trotzdem zahlen die Bewohner für das Grundstück.

Die Fabrik teilt sich auf in ein Haupthaus und drei Nebenhallen. Im Haupthaus wurden wir von den “Frauen des Hauses” begrüßt. In der Küche wurde auch an drei Nähmaschinen die Innenverkleidung der Särge genäht. Auf unsere Anfrage hin konnten wir auch die Nebenhallen besichtigen. Dort werden aus Glasfaser zuerst die Rohkorpusse hergestellt und gelagert. Anschliessend wird der Rohkorpus außen mit Echtholzfurnier beklebt. In einer anderen Halle bemalen die Arbeiter diese Särge in einem Rotton – andere Farben wie Bronze sind auch möglich, aber seltener. In der letzten Halle, der zweitgrößten, werden die Sargdeckel lackiert und das Holz wird zugeschnitten. Als wir mit dem Rundgang schließlich fertig waren, setzten wir uns an einen Tisch nach draußen und wurden mit Kaffee und Brötchen verköstigt.

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Die Särge dürfe nicht verrotten, da die Leichen nicht in der Erde bestattet werden, daher wird Glasfaser benutzt.
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Die Sargdeckel gibt es in Peru immer mit Fenster.
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Das Holz wird für die Furnierung zugeschnitten.
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Die Sargdeckel werden auch Rot lackiert wie die Korpusse.

In dieser Zeit machten sich die Arbeiter noch fertig. Eine der Frauen erzählte uns, wie sie durch den Glauben neue Kraft gefunden und sich ihr Kinderwunsch noch einmal mit 45 Jahren erfüllt hatte. Während wir noch den leckeren Käse aus Cajamarca genossen, trudelten die Arbeiter nach und nach ein und Jorge begann mit seinen Ausführungen. Die Lektion handelte von dem Bereitmachen für den Glauben an Christus, wie es auch in dem Buch Jesaja, 40 geschrieben steht. Der Pastor bezog sich sehr auf die persönliche Ebene, da viele der anwesenden Arbeiter auch noch recht neu im Glauben waren.

Jorge appellierte daran, die “Täler” – die persönlichen Abgründe, er bezog sich vor allem auf falsche sexuelle Begierden – einzuebnen, d. h. den Begierden zu widerstehen. Auch die “Berge” sollte man einebnen, indem man seinen Hochmut durch Demut vor Gott überwindet. Den nächsten Schritt sah Jorge darin, seinen Weg zu begradigen und ohne Ablenkung zum Glauben zu gelangen. Auch kleine Hindernisse müssen ausgeräumt werden.  Die meisten Männer gingen kurz nach dem Abschlußgebet. Einer blieb jedoch noch und erzählte uns erst von seinem Weg zum Glauben und den Hindernissen in seiner Familie.

Schließlich brachen wir auch auf und fuhren in einem vorsichtig ausgedrückt klapprigen Kleinbus eine gefühlte halbe Ewigkeit durch Lima.

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