Ein früher Flug und Lichterspiele im Wasserpark

Da wir bereits um halb 6 morgens von zwei Taxis abgeholt wurden, durften wir früh aufstehen. Als wir um kurz vor 6 Uhr am Flughafen eintrafen, checkten wir als erstes unsere Koffer ein. Der Flughafen in Cajamarca umfasst ein paar Schalter zur Gepäckabgabe, ein paar kleine Geschäfte, eine Sicherheitsschleuse und einen Raum mit zwei Bordingschaltern, der kaum genug Passagiere für zwei Flüge aufnehmen kann. Kurz vor unserem Ablug startete ein weiteres Flugzug nach Lima.

Unser Flieger war nicht voll besetzt und so konnte jeder gut sehen und Dorothea bekam sogar die erhoffte Beinfreiheit. Über den Wolken überquerten wir auf dem gut einstündigen Flug manche Berge.

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Der Flug über die Berge.

 

Am Flughafen wurden wir von Pastor Jorge in Empfang genommen und irrten erstmal mit ihm um das Gelände herum, bis wir die Autos fanden, die uns mitnehmen sollten. Neben einem Privatauto durften Mareike, Jorge und sein Sohn Daniel, sowie einer seiner Freunde auch hinten im Lieferwagen mitfahren, der unserer Koffer transportieren sollte.

Bei Evelia wurden wir mit einem Frühstück empfangen, dass ja im Vorfeld durch unseren frühen Flug nicht stattfinden konnte. Anschließend konnten wir uns nur noch ausruhen.

Am Nachmittag fassten wir den Plan, am nächsten Tag unser Gastgeschenk, die zwei Waffeleisen, zu überreichen. Da wir nicht einfach die Waffeleisen nur übergeben wollten, planten wir auch direkt, Waffeln mit zu backen. Nachdem wir uns anhand eines aus unserer Gemeinde stammenden und mitgebrachten Rezeptes ausrechneten, wie viel wir brauchen würden, zogen wir mit Norma, der Frau des Pastors Jorges, los und kauften die Zutaten im nächsten Supermarkt. Die Bezeichnung Supermarkt ist hier jedoch kaum mit einem Supermarkt bei uns zu vergleichen, da wir schlussendlich in einem kleinen Raum standen, in den wir zu 7 nur schwer reinpassten. An den Wänden hatte die Verkäuferin, die gleichzeitig ihr Kind in einem Tuch auf dem Rücken trug, Lebensmittel aufgereiht und suchte im Anschluss an unsere Fragen die entsprechenden Lebensmittel heraus.

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Beengter Raum im „Supermarkt“.

Als wir schließlich mit unseren Einkäufen wiederkehrten, mussten wir unseren Plan Probewaffeln zu backen schnell wieder verwerfen, da wir kurz darauf weiterfuhren.

Um 18 Uhr kamen Maly, ihr Freund Louis und Rolando um mit uns zum Wasserpark zu fahren. Den besagten “parque de las aguas” hatten Sophia und ich, Rebecca, bereits am vorherigen Sonntag mit Jugendlichen aus der Gemeinde besucht, aber bei Dunkelheit besticht der Park noch einmal besonders durch seine Beleuchtung. Nach einer sehr holprigen Busfahrt wurden wir so durch den Anblick belohnt. Die Springbrunnen wurden in den verschiedensten Farben beleuchtet. Dieser Anblick gefiel nicht nur den vielen “normalen” Besuchern, sondern zog auch drei Brautpaare an, die ihre Hochzeitsfotos vor dieser traumhaften Kulisse machen ließen. Um 8 Uhr bot sich dann noch einmal ein besonderes Spektakel, als auf einer Wand aus Wasser verschiedenste Bilder und Animationen zum Thema Peru projiziert wurden. Begleitet wurde dies von Musik und zwischen manchen Bildern von abwechselnd farblich beleuchteten Wasserfontänen. Im Anschluss an diese Vorführung, zogen wir weiter durch den Park. Vorbei an mehr Springbrunnen und bunt beleuchteten Bäumen gingen wir durch einen Tunnel in den anderen Teil des Parkes. Auch hier bot sich durch die Beleuchtung eine einmaliger Anblick.

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Bereits beim Eingang konnte man die Pracht des Parks erahnen.
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Der Springbrunnen am Anfang wechselte regelmäßig die Farbe, darunter auch von blau…
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…zu violett.
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Auch dieser Springbrunnen änderte regelmäßig Farbe und Form der Fontänen.
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So sieht der vorherige Springbrunnen dann bei voller Länge aus.
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Bei diesem Wasserspiel wurde zum aktiven Beteiligen aufgefordert.
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Alle Bäume waren am Baumstamm mit verschiedenen Lichterketten geschmückt.
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Das Teeservice besteht von außen rein aus Pflanzen.

Wir traten den Rückweg an und so endete unser Tag kurz darauf bei Evelia.

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Cumbe Mayo und strömender Regen

Als wir am Morgen aufbrachen, hatten Rolando und Mareike bereits eine Tour für uns gebucht. Während eine eigenen Touristenführerin uns erst noch Fakten über die Stadt Cajamarca kundtat, in der die Spanier dem Inkakönig begeneten und ihn töteten, ging es danach in einem kleinen Bus immer höher und weiter auswärts auf eine Höhe von 3500 Metern. Dort wurde von der Kultur der Cumbe Mayo zwischen einer Felsenkluft und nahe des “Steinwaldes” ein Kanal angelegt, um Wasser aus den Bergen in die Täler zu leiten. Um diesen zu erreichen, sollte man durch einen engen Spalt gehen, der an seiner dünnsten Stelle nicht mehr als eine Person seitwärts durchließ.

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Der Blick über Cajamarca.
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Aus dieser Richtung kamen die ersten Spanier vom Meer.
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Der Steinwald rechts im Bild.
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Unser Durchgang zur anderen Seite des Felsens …
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… den wir alle wohlbehalten passierten.

Nachdem wir den Spalt alle durchquert hatten, wurden wir mit einem wunderschönen Anblick belohnt. Durch Steinformationen hindurch führte ein Weg zu dem Kanal. Unserer Touristenführerin zeigte uns immer wieder verschiedenste Steine und verwies auf Bedeutungen wie “Hase”, “Adler” oder “Meerschweinchen”.
Am Wegesrand saßen auch immer wieder peruanische Bäuerinnen mit ihren Kindern in Trachten um den Touristen Kleinigkeiten zu verkaufen.

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Eine Bäuerin am Wegesrand mit Lamm.
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Ein Blick ins Tal, hinweg über ein Feld…
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.. des ortsansäßigen Bauern.
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Im Vergleich zu den Felsen wirken wir klein.
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Zwischen den Felsen der Weg zum Kanal.
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Anhand der Gesteinsformationen wird verschiedenstes gedeutet.
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Für Touristen wird ein Pferd vor die malerische Kulisse gestellt.
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Ein Blick nach oben, wo wir herkamen.

Der Kanal selbst wird von einer Quelle gespeist und kriegt Zulauf durch Wasser, welches durch das Vulkangestein der Umgebung gefiltert wird. Die Quelle und der Stein neben ihr, der Kraft und Energie spenden soll, galt als eines der Heiligtümer der Kultur, die Mutter Erde und Vater Wasser verehrten. Teilweise wurde der Kanal nachgebildet, jedoch sind auch weite Strecken noch vorhanden. Hierbei ist besonders bemerkenswert, dass der Kanal teilweise komplett gerade oder in rechten Winkeln verläuft und dies von den Cumbe Mayo alles in Handarbeit geschaffen wurde. Dazu fertigten sie auch passgenau abschließende Steinplatten an, wie diese gefertigt oder transportiert wurden ist noch unklar.

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Das ursprüngliche Flussbett.
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Die Ursprungsquelle befindet sich knapp darüber.
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Gerade und über eine Brücke wird der Kanal weitergeleitet.
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Neben den Kanal wurden verschiedenste Zeichnungen angelegt.
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Um den Fluss zu verlangsamen wurden rechte Winkel benutzt.

Auf dem Rückweg im Bus versuchten wir uns an ein paar Liedern aus unserem Liederheft. Teilweise etwas durch die holprige Reise unterbrochen probierten wir mal Spanisch, dann wieder Deutsch zu singen.

Zurück in Cajamarca pausierten wir wieder erst einmal zu Mittag. Um 4 Uhr verabschiedeten wir Rolando, der kurz darauf mit dem Bus schon zurück nach Lima fuhr.

Wir anderen beschlossen die Zeit am Nachmittag noch einmal zu nutzen, um uns die örtlichen Museen und Kirchen anzugucken und auf einen Aussichtspunkt zu steigen.
Die Iglesia Belen (Kirche Bethlehem) ist vermutlich eine der reichverziertesten Kirchen der Region. Während für den einen diese nur so vor Kitsch strotzen würde, stellt sie für andere eine der schönsten Kirchen da. Wir waren geteilter Meinung, uns jedoch einig, dass dieser Stilmix mehr als befremdlich für Protestanten wirkte. Gerade eine Jesusdarstellung in Denkerpose mit großen glasigen Augen zeigte wie ungewöhnlich so manche Deko war.

Neben der Kirche war eine Ausstellung eines peruanischen Künstlers, der selbst die peruanische Kultur und Lebensweise abbildete.

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Der Himmel zieht sich schon etwas zu.

Während wir weitergingen zum etwas entfernten Museum der Archäologie begann es zu regnen. Das Museum selbst enthielt verschiedenste Ausgrabungsstücke der Umgebung, darunter Fundstücke aus verschiedenen Zeitaltern, beispielweise ein mumifiziertes Baby in einer Vase.

Als wir gerade dort wieder aufbrechen wollten, begann ein Sturzregen. Im angrenzenden Gebäude fanden wir nicht nur Schutz vor dem Regen sondern auch eine weitere kleine Ausstellung von Werken gemalt, bzw. erstellt von Frauen aus der Region.

Richtig raus konnten wir erstmal nicht mehr, die Straßen waren teilweise bis zu den Bürgersteigen überflutet und Regenschirme hatten wir auch nicht genug, da es ja “in Peru nie regnet”.

Als der Regen schlussendlich doch etwas weniger wurde, beschlossen wir das ehemalige Gefängniss Atahualpas zu besichtigen und so kamen wir etwas durchnässt – ganz aufhören wollte der Regen irgendwie doch nicht – dort an. Das Museum besteht selbst nur aus einem Raum und zeigt in ihm jenen Raum, in dem Atahualpa seinen Arm ausstreckte, damit der Raum bis zu dieser Stelle mit Gold gefüllt würde, um nicht von den Spaniern hingerichtet zu werden. Obwohl die Inkas es schafften, diese Vorgabe zu erfüllen, wurde der letzte Inkakönig schließlich doch von den Spaniern umgebracht.

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Bis zu der Markierung war der Raum von den Inkas mit Gold und Silber gefüllt worden.

Als wir uns noch einmal aufmachten, um zwei weitere Kirchen zu besuchen kamen wir an so manchem etwas gefluteten Lokal vorbei und auch an den Eingängen der Kirchen wurde fleißig Wasser aus den Eingängen geschippt. Leider war gerade in allen Kirchen Messe und dementsprechen kurz vielen unserer Besuche aus.

Unser Besuch auf dem Aussichtspunkt fiel komplett wortwörtlich ins Wasser.

Abends wollten wir kaum noch die Pension verlassen und huschten deshalb zum Essen nur schnell ins gegenüberliegende Restaurant. Nachdem wir den Fernseher ausgestellt hatten – warum läuft hier eigentlich überall der Fernseher? – konnten wir in Ruhe bestellen. Die Bestellung war teilweise sehr leicht – es gab nur ein vegetarisches Gericht- und andererseits sehr kompliziert und so wurde aus der Scholle auf der Karte ein “Truthahn” laut Dorothea.
Mareike hatte nocheinmal die Möglichkeit Cuy bzw peruansiches Meerschweinchen zu essen und Martha betonte, dass das der interessanteste Truthahn ihres Lebens sei.

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Mareikes Meerschweinchen.

Das Kinderheim der heiligen Dorothea und die Bäder der Inkas

Bei dem Frühstück im Hotel erfuhren wir von Rolando, dass bisher noch kein Programm in Cajamarca geplant sei. Da wir dennoch unbedingt mit der Deutschen Christa Stark, die mehrere wohltätige Projekte in Cajamarca aufgebaut hatte, sprechen wollten, setzten wir alles daran, uns mit ihr zu treffen. Da sie leider gerade auf Besuch in Deutschland war, konnten wir uns lediglich eines ihrer Projekte angucken. Zum Glück war es kurzfristig möglich, das von ihr gegründete und später von einem Schwesternorden übernommene Haus für Kinder mit Behinderung zu besichtigen.

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Willkommen im Haus der heiligen Dorothea.

Dort angekommen wurden wir von einer Ordensschwester herumgeführt. Das Kinderheim selbst wird immer wieder durch Freiwillige aus Deutschland unterstützt und so trafen wir dort auf zwei deutsche junge Frauen. Diese sind – anders als die anderen drei Freiwilligen aus Deutschland dort- bereits mit ihrer Ausbildung fertig und helfen als Hörtechniker bei der Anpassung von gespendeten Hörgeräten aus Deutschland. Ärmere mit Hörproblemen können sich dann dort gegen einen kleinen Betrag – dieser wird erhoben, dass die Hörgeräte als wertvoll betrachtet und dementsprechend damit umgegangen wird – Hörgeräte anpassen lassen, während sie neue Hörgeräte niemals bezahlen könnten.

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Die zwei jungen freiwilligen Hörtechnikerinnen aus Deutschland.

Das Kinderheim selbst war von der Sonderschullehrerin Christa Stark aus Deutschland gegründet worden, die auch neben dem Kinderheime anderer Projekte wie eine Sonderschule, ein Fortbildungszentrum und die Pension mit Behinderten gründete, in der wir auch schlafen. In dieser Pension werden so auch Stellen an Leute mit einer Behinderung vermittelt und Kurse zum Thema Gehörlosigkeit gegeben.

Schließlich wurde das Kinderheim kurz vor der Jahrtausendwende in die Hände eines Schwesternordens gegeben. Dieser kann durch ein gutes Netzwerk und durch viel Personal/ einer stetig nachkommenden Generation dieses langfristig weiterführen.

Vermutlich ist das Kinderheim eher als Wohnheim zu bezeichnen, da es neben Kindern und Jugendlichen auch Erwachsenen bis zu 40 Jahren einen Wohnplatz bietet. Die circa 30 Bewohner bewohnen je nach Lauffähigkeit das untere oder das oberer Stockwerk in verschiedenen Schlafsälen getrennt nach Geschlechtern. Auf jedem Bett lag liebevoll mindestens ein Kuscheltier. Zudem gab es eine Küche für die Mitarbeit, verschiedenste Aufentshaltsräume und unter anderem einen Raum, wo manche Kinder das Nähen erlernen konnten – dieser wurde erst einmal von Martha genau betrachtet.
In einem seperaten Haus sind Therapieräume untergebracht. Jedem Kind wird einmal die Woche die Möglichkeit gegeben durch Physiotherapie seine Muskeln zu trainieren. Leider fehlt es jedoch aktuell wieder an einer ausgebildeteten Fachkraft, um den Erwachsenen eine besondere Therapie zu ermöglichen.
Neben all diesen Wohnräumen ermöglicht auch die eigene Wäscherei, die Schuluniformen und die Kleidung der Kinder stets sauber zu halten. In einem Gebetsraum/ einer kleinen Kapelle wird den Bewohnern der katholische Glauben näher gebracht.
Im ganzen Haus sind auch verschiedene Beratungszimmer, um den Eltern, wenn diese ihre Kinder zu den Ferien zweimal im Jahr abholen kommen, eine Aufklärung über den aktuellen Zustand ihres Kindes zu geben. Auch wenn nicht alle Kinder Kontakt zu ihren Eltern haben, so werden doch Kontakte, wenn vorhanden, gepflegt so häufig dies möglich ist.

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Das Haus ist Teil des Kinder Missionswerks.
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Der Leitspruch des Hauses.
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Ein Schlafraum der Jungen, jeweils auf jedem Bett ein eigenes Kuscheltier.
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Rolando findet selbst Gefallen an den Kuscheltieren.
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Das Nebengebäude beinhaltet Therapiemöglichkeiten…
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… wie einen Raum zur Physiotherapie.
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Brot wird noch mit Holz gebacken und auch auf Holz wird gekocht.
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In dem Gebetsraum/der Kapelle wird Gottesdienst gefeiert.

Als wir auf die Leiterin des Wohnheimes trafen, lud diese uns erst einmal zum Kaffee ein. Die aus Spanien stammende Krankenschwester ist eine Ordensschwester und man merkte ihr an, wie sehr sie ihre Arbeit liebt. Nach ein paar Gesprächen über unserer Reise bei Tee und Keksen stand sie plötzlich auf und merkte an, dass nun die Kinder kämen.

In einem Bus der Sonderschule, die viele der Kinder besuchen, trafen circa 15 Kinder ein. In Rollstühlen, mit Gehhilfen oder einfach zu Fuß betraten sie den Innenhof und bestürmten uns fröhlich. Ein paar der Kinder schienen kaum anders als Gleichaltrige, während andere kaum ansprechbar waren. Nach mancher Umarmung, manchem Küsschen und Fragen nach den Namen bzw. mehrfacher Kundgabe ihres eigenen Namens wurden sie zum Essen gerufen.
Die Kinder aus den Regelschulen oder die, denen bereits eine Arbeit vermittelt werden konnte, kamen erst wieder zurück, als wir bereits gefahren waren.

Zurück in Cajamarca beschlossen wir nach einer Mittagspause – in der wir unter anderem die örtliche Bäckereikultur erlebten- wieder zurück in den vorher besuchten Stadtteil zu den Bädern der Inka zu fahren. Diese Bäder werden durch heiße Thermalquellen gespeist und zur Zeit der Inka soll schon der letzte Inkakönig Atahualpa dort in den Quellen gebadet haben.
Als wir bei strömenden Regen ankamen, waren glücklicherweise nicht sehr viele Gäste in den Bädern. Eine besonderer Attraktion stellen dabei kleine Becken in seperaten Räumen für bis zu 4 Personen dar, in denen man sich selbst Wasser aus den Thermalquellen und kaltes Wasser nach Belieben einlaufen lassen konnte.  Während wir dies in drei Räumen für eine Stunde ausprobierten, saßen Martha, Sabine und Patricia in der Cafeteria und wanderten durch die Anlage.

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Hier soll auch schon der letzte Inkakönig gebadet haben.
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Eine Wanderung zwischen den Quellen war möglich, jedoch war es nicht ratsam abzustürzen zwischen den bis zu 72 Grad Celsius warmen Quellen.

Am Abend irrten wir durch die Stadt auf der Suche nach einem guten Restaurant.Als wir schließlich aufgaben, waren wir in einem kleinen Bistro gelandet, welches kaum Gerichte anbot, die auch nur auf einem Plakat im Raum standen.
Als sich herrausstellte, dass sich in der Suppe Hühnerfüße befanden, war sie schon halb aufgegessen und den Höhepunkt stellte vermutlich die Rechnung des Kellners/Kochs dar, in der er uns bat, uns doch selbst auszurechnen, was wir gegessen hätten und nun zahlen sollten, er wäre nicht mit gekommen.

Die Schuhstadt und eine lange Busfahrt

Mittwoch war unser letzter Tag in Trujillo bevor um 12 Uhr unser Bus nach Cajamarca abfuhr. Da wir zuvor keine Möglichkeit gehabt hatten, die Schuhstadt Trujillo als jene Schuhstadt kennenzulernen, fuhren Mareike, Rolando, Sophia und ich, Rebecca, in die Innenstadt um uns im Schuhviertel umzusehen. Da nahe der Kirche kein Taxi zu kriegen war, bewältigten wir den ersten Teil der Strecke mit dem Mototaxi. Dieses Taxi ist eher ein ausgebautes Motorrad als ein Auto und war eindeutig nicht für 4 Fahrgäste ausgelegt. So durfte ich dann auf dem Schoß von Mareike mich in der Mitte der Rückbank bei offenen Seiten festklammern.

Nachdem wir schließlich an einer Hauptstraße ein normales Taxi gefunden hatten, wurden wir an einem großen Schuhmarkt abgesetzt. Dieser bestand aus lauter kleinen, offenen Geschäften. Auch wenn noch nicht alle Geschäfte geöffnet waren, konnten wir uns dennoch in vielen Geschäften umsehen und wurden alle fündig.

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Die meisten Geschäfte waren noch geschlossen.
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In einzelnen Parzellen werden die Schuhe verkauft.

 

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Eine Verabschiedung von all jenen, die uns immer morgens gut bewirtschaftet hatten. Unserer Gastgeberinnen Ruth und Hilda stehen neben Dorothea.

Unser Bus nach Cajamarca verließ Trujillo um 12.15 Uhr. Zu unserer Überraschung gestaltete sich der Bus als bequemer Reisebus und wir hatten bis auf einen weiteren Fahrgast die gesamte untere Etage des Busses für uns alleine. Leider bedeutete dies auch, einen sehr schlechten bis gar keinen Blick auf die Umgebung haben zu können.

 

Als wir schließlich nach knapp 6 Stunden Fahrt Cajamarca erreichten, war es bereits dunkel geworden. Zusammen mit Patricia und Rolando wohnten wir in einer Pension in der Innenstadt. Da wir von der Fahrt doch alle sehr geschafft waren, gingen wir kurz nach unserem Essen in einem nahen Bistro ins Bett.

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Im Bistro war kaum genug Platz, aber das Essen war umso besser.

Ein mehr als volles Programm

Für den heutigen Tag stand eine Stadtbesichtigung Trujillos auf dem Plan. Zusammen mit Gaby, Patricia und Rolando machten wir uns auf zum Plaza de Armas. Während Rolando und Gaby sich nach einer Stadttour erkundigten, versuchten wir anderen uns an der Fotoreihe “Brunnenfiguren”. Der von einem deutschen Künstler hergestellte Brunnen bot uns dabei verschiedenste nachzustellende Figuren.

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Der Brunnen auf dem Plaza de Armas.

 

Als Gaby und Rolando schließlich mit der gebuchten Tour zurück kamen, hatten wir jede Figur einmal dargestellt.

Im Bus trafen wir auf unsere Touristenführerin, die – entgegen der gebuchten Führung- kaum Englisch sprach. Zuerst fuhren wir mit den anderen Touristen zu dem Huanca de la Luna. Dieser Tempel des Mondes befindet sich etwas außerhalb Trujillos. In dem anliegenden Museum hatten wir die Möglichkeit, dort gefundene Ausgrabungsstücke zu besichtigen. Der Tempel selbst wurde vom 3. bis zum 8. Jahrhundert nach Christus erbaut und ist der Moche-Kultur zuzuordnen. Leider konnten wir nur die obersten Stockwerke der mehrstöckigen Pyramide besuchen, da jüngere Generationen der Moche-Kultur stets auf den alten Stockwerken der Pyramide ihr eigenes Stockwerk bauten. Unsere dort angeheuerte Touristenführerin sprach glücklicherweise sehr gut Englisch und erklärte uns viel über die Opferriten in diesem, der Elite vorbehaltendem, Tempel.

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Huaca de la Luna
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Ein Querschnitt von Innen.
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Ein Hauptmotiv innerhalb der Pyramide – kein Gesicht sieht gleich aus.
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Gegenüber liegt die noch nicht untersuchte Huaca del sol.
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Im Innersten gibt es verschiedenste Zeremonienräume.
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Außen an der Pyramide sind die verschiedensten Stockwerke zu erkennen, die jeweils unterteilt verschieden bemalt wurden.

Im Anschluss an die Kultur der Moche machten wir eine Art Zeitsprung und fuhren wieder zurück nach Trujillo. Nach einem Mittagessen kamen wir in die Zeit der Chimú. Mitten in Trujillo befindet sich ein Tempel dieses Volkes, welches nach den Moche und vor den Inkas in Trujillo war. Der Tempel selbst wurde uns von unserer eigentlichen Touristenführerin auf Spanisch vorgestellt, unser Spanisch war vermutlich besser als ihr Englisch.

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Das spirituelle Zentrum der Chimú.

Nach der Besichtigung des spirituellen Zentrums der Chimú fuhren wir weiter zu dem weltlichen Zentrum. Zu ihrer Glanzzeit umfasste die ehemalige Stadt 10.000 Häuser und 60.000 Menschen. Zu besichtigen ist lediglich der ehemalige Herrschaftssitz, um mehr auszugraben und für Touristen zugänglich zu machen, fehlt das Geld. Dieser ehemalige Regierungssitz umfasste damals neben verschiedensten Regierungsräumen auch riesige Lagerflächen und Wasserspeicher. Leider war es uns kaum möglich, den Ausführungen der Toursitenführerin zu lauschen, da ihr Englisch doch sehr von ihrem starken spanischen Akzent geprägt war. Dennoch sprachen die Bauwerke auch für sich.

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Die Vorhalle/der Hauptplatz des Komplexes.
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Der Platz zu den Lagerräumen.
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Die Lagerräume mit dem Fischnetzmuster.
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Die Lagerräume mit dem Fischnetzmuster.

Zum Abschluss der Tour fuhren wir noch einmal zu dem Strand, den wir bereits am Vortag besichtigt hatten.

Abends pünktlich um 8 Uhr begann der Gottesdienst der ortsansäßigen Gemeinde. Da Dorothea leider krank war, übernahm die Pastorin Hilda die Predigt. Neben der Predigt versuchte die Gemeinde jedoch auch alles vorzuführen, was sie  bieten konnten. So tanzten ein paar der Kinder in Trachten einen Volkstanz, ein Kinderchor schmetterte ein Lied und zum Abschluss des Gottesdienstes trat eine Band auf. Diese christliche Band erinnerte eher an die mexikaischen Musikformationen Mariachi.
Lautstark schmetterte die Sängerin begleitet von den Instrumenten Lobeshymnen auf Gott und Jesus Christus.

Nach dem Gottesdienst versammelte sich noch einmal die gesamte Gemeinde und aß und trank gemeinsam im Innenhof.

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Der Gemeindechor mit Pastorin Hilda in der Mitte.
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Die tanzenden Kinder in Trachten.
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Der Kinderchor.
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Die christliche Mariachi-Band
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Das abschließende Abendessen im Hof.

 

Besuch in Trujillo

In der Nacht von Sonntag auf Montag fuhren wir mit einem Nachtbus acht Stunden nach Trujillo, etwa 580 km noerdlich von Lima an der Pazifikkueste gelegen. Dort arbeitet Pastora Hilda seit drei Jahren. In ihrer Gemeinde gibt es viele Frauen, die uns mit guter Laune und grosser Freundlichkeit empfangen haben. Dass Fruehstueck und andere Mahlzeiten reichhaltig und lecker waren, muss ich kaum noch gesondert erwaehnen… Untergebracht sind wir zu dritt in Hildas Pastorenhaus (Schlaf- und Wohnzimmer im ersten Stock zusammen mit einem kleinen, aber feinen Bad) und bei Ruth, die zwei Strassen weiter eine leerstehende Wohnung besitzt, in der frueher ihr Vater lebte.

Montagmittag waren wir bei Gaby und Javier zu Gast, die wir ebenfalls aus Lima kennen (Sohn und Schwiegertochter von Evelia). Zum Essen s.o. Beeindruckend war der Besuch in der Schuhwerkstatt der Familie, die sich im Haus befindet. Leider werden keine Schuhe in Groessen hergestellt, die uns „Riesen“ passen wuerden.

Spaeter fuhren wir ans Meer in ein ehemaliges Fischerdorf, hielten die Fuesse in den Pazifik und wurden von mancher Welle boese ueberrascht. Nass aber gluecklich stiegen wir zur Kirche hoch, von deren Vorplatz man eine wunderbare Aussicht hat. In der Kirche gab es fuer uns deutsche Evangelische eine Kuriositaet: In einem grossen, glaesernen Schrank hingen an die 30 „Kleider der Jungfrau“ – Umhaenge, die monatlich an der Marienstatue hoch ueber dem Altar gewechselt werden. Auch fuers Jesuskind gab es eine entsprechende Kollektion.

Fuer den Rueckweg zu zehnt in einem Bulli brauchten wir im Stadtverkehr von Trujillo wieder mal eine gute Portion Gottvertrauen….

En el nombre del señor – Gottesdienste und mehr

Die Zeit in Peru vergeht wie im Fluge, darum gibt es jetzt einiges im Bericht nachzuholen. Nach den Besuchen in sechs verschiedenen Familien haben wir am Samstagabend einen besonderen Jugendgottesdienst in der Kirche erlebt. In der „Nacht der Talente“ waren alle aufgefordert, ihr Talent bei einem Liedvortrag, mit einem Gedicht oder Tanz einzubringen. Viele Jugendliche der Gemeinde taten das – ganz schoen mutig, so allein vor der Gemeinde zu singen!

Natuerlich wurden auch wir als Gaeste aufgefordert, etwas zu singen :-). Nachdem wir Gruesse ausgerichtet und uns vorgestellt hatten, haben wir „Kommt mit Gaben und Lobgesang“ und „Wo Menschen sich vergessen“ vorgetragen und dafuer freundlichen Applaus geerntet. Der Jugendgottesdienst dauerte gut und gerne 2 1/2 Stunden, die Kirche war fruehlingshaft kalt und zugig und wir anschliessend froh ueber die Betten im Haus nebenan.

Der Sonntagsgottesdienst hielt eine besonders schoene Ueberraschung bereit. Die Gemeinde feierte mit uns ihren 58. Geburtstag. Aus diesem Anlass sollte der Bischof der Iglesia de los Peregrinos predigen, doch er konnte nicht kommen und schickte seine Stellvertreterin, Pastora Hilda Tenorio. Sie war 13 Jahre lang Pastorin in der Kirche in Lima und hat unsere Partnerschaft massgeblich mit aufgebaut. Welche Freude, sie zu treffen!

Die Form des Gottesdienstes unterscheidet sich sehr von unserer. Die meisten Lieder werden von einer Lobpreisband begleitet/gesungen, der Ablauf ist sehr viel freier und Hildas Predigt ueber die Mission dauerte 40 Minuten. Auch die Lautstaerke der Redebeitraege ist fuer uns sehr ungewohnt. Die Boxen werden extra hochgedreht, um gegen den Autolaerm der Panamericana norte anzukommen, die vor der Tuer entlangfuehrt.

Nach dem Gottesdienst gab es eine Mittagessen fuer alle, das waehrend des Gottesdienstes geraeuschvoll in der Kueche (abgetrennt durch Schraenke) zubereitet wurde. Unsere 100 Geschenke reichten bei weitem nicht fuer die etwa doppelt so vielen Anwesenden. Eine gigantische Geburtstagstorte wurde erst nach einer ausgiebigen Fotosession (die Gaeste mit Familie A,B, C,…., XYZ) angeschnitten. Sehr lecker!