Samstag: Gemeindeausflug in den Park und Unterricht in Bibelfestigkeit

Der Freitagmorgen begann mit einigen Missverständnissen. Da Rolando uns gesagt hatte, wir sollten um 9 Uhr los, wollten wir früh essen. „Früh“ war von der einen Hälfte als 8 Uhr definiert worden, die andere Hälfte kam schließlich um halb 9 hinzu. Da sich die Anfahrtszeit jedoch wieder als falsch erwies, hatten wir alle Zeit der Welt bis wir um 10 Uhr in der Kirche sein mussten.

Dort angekommen – natürlich wie die meisten Anwesenden im Partnerschaftstshirt- machten sich der Großteil nach einem kurzen Gebet auf den Weg zum Park. Unserer Gruppe, ausgenommen von Martha, die in einem Auto mitgenommen wurde, sollte laut Jorge dennoch warten.

Schlussendlich machten wir uns um halb 11 auf den Weg. Mit einem Bus fuhren wir quer durch Lima und gingen die letzten Meter zum Park zu Fuß. Dort angekommen warteten schon an die 30 Personen auf uns. Nachdem wir uns alle auf ein paar Decken niedergelassen hatten, übernahm Daniel, der Sohn des Pastors, die Moderation. Er besprach eine Bibelstelle über Gottvertrauen und sang ein paar Lieder ganz in der Manier seines Vaters. So wie er die kleine Andacht leitete, wird er vermutlich selbst bald Pfarrer werden, Missionar ist er ja bereits gewesen.

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Daniel macht seinen Job als Pastor schon ganz gut.

Nach und nach trudelten immer mehr Leute ein und gesellten sich zu uns auf die Decken. Jeder packte sein mitgebrachtes Essen aus – Evelia hatte für uns Reis mit Huhn oder mit Omlet dabei – und Obst und Gemüse wurde geteilt.
Sobald alle mit dem Essen fertig waren und auch in 2 Kreisen etwas Fußball und Volleyball gespielt worden war, brachen wir auf in einen anderen Teil des Parkes. Dort waren verschiedenste Tiere gehalten, für uns Sauerländer alltägliche wie Pferde, Hühner und Kühe, aber auch exotischere wie Pfaue oder Papageien.

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Beim Mittagessen wird sich fleißig über alles Mögliche ausgetauscht
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Im Kreis wird danach von ein paar Jugendlichen ein Ball hin und her gekickt.
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Im Park gibt es auch verschiedenste Tier, darunter Papageien.

Einen weiteren Teil des Parkes stellte ein See da. Auf diesem planten wir eigentlich Tretboot zu fahren, den Plan mussten wir jedoch leider verwerfen und fuhren deshalb mit einem Motorboot einmal eine Runde um den See. In der Mitte waren 2 Inseln mit Affen und an einem Ende war eine Tropfsteinhöhle nachgebaut. Während diese für uns aufgrund z.B. der Dechenhöhle keine vollkommende Neuartigkeit war, stieß sie bei den Peruanern im Boot doch auf großes Erstaunen.

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Der See im Park.
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Im Boot – natürlich mit Schwimmwesten – fuhren wir einmal um den See.

Wie war auf dem weiteren Gang durch den Park waren, besuchten wir den Spielplatz bevor wir zu den Sportplätzen gingen. Auf der Wippe ließ Dorothea den doch bedeutend kleineren Pastor Jorge ersteinmal oben zappeln. Wir versuchten uns zu 6 im synchronen Wippen – mehr oder weniger erfolgreich.

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Wir probierten uns auch am versetzen Schaukeln (wenig erfolgreich).

Bei den Sportplätzen teilten wir uns auf. Eine Gruppe spielte Fußball, andere setzen sich nur wieder hin und wir – also Sophia und ich, Rebecca – beteiligten uns am Volleyballspiel. Hierzu war zwischen zwei Bäumen ein Netz aufgespannt und die Plätze mit Stöckchen abgesteckt.
Insgesamt waren die Spiele teilweise zwar etwas improvisiert – der Sohn Marlitas kam sie regelmäßig auf dem Feld besuchen, ein Mülleimer stand mitten in einem der Felder und wir wurden eigentlich von einem der Parkwächter vertrieben – aber dafür umso lustiger. So verflog die Zeit auch wie im Flug und um halb 6 machten sich auch die letzten von uns auf den Rückweg.

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Der übriggebliende Rest, der noch später auf der Wiese saß oder Fußball / Volleyball spielte, wäre auch noch länger geblieben.

Um 8 Uhr begann der Jugendgottesdienst, den Sophia und ich besuchten. Das er um 8 Uhr begann, bedeutete eher, dass wir um kurz nach 8 Uhr da waren – genau wie 2 andere Jugendliche. Nach und nach trudelte dann der Rest ein, sodass wir mit der üblichen peruanischen Verspätung anfangen konnten.
Anders als normalerweise wird aktuell für einen nationalen Wettbewerb geübt.
Miri hatte uns ja bereits am Partnerschaftssonntag 2015 von diesen Wettbewerben erzählt. Dabei fahren immer die besten Jugendlichen aus einer Gemeinde und messen sich in den Aspekten Bibelfestigkeit und allem, was zum Glauben gehört.
Als Übung trat deshalb die rechte Seite des Mittelgang gegen die linke an. Zuerst wurden zwei Kapitel des Lukasevangeliums durchgesprochen, anschließend ein kleiner Test darüber geschrieben. Desweiteren musste jeweils ein Gruppenmitglied 5 Minuten zu selbst gewählten Versen der Kapitel predigen. Im Anschluss daran musste zu einer vorgegebenen Textstelle das erste Wort des Verses bzw. die Versangabe zum Wort gerufen werden.
All dieses Training soll bei den Jugendlichen die besten ermitteln, die dann am Wettbewerb teilnehmen werden.

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Hochkonzentriert wird möglichst schnell eine bestimmte Bibelstelle gesucht.

Als Überraschung wurde noch einmal Daniels Geburtstag gefeiert. Zuerst wurde dazu ein Spiel ähnlich der „Reise nach Jerusalem“ gespielt. In der Mitte standen 10 Mädchen jeweils mit einem Arm an der Hüfte. Die Jungs liefen bei der Musik um uns rum, wenn sie stoppte mussten sie sich bei uns dann unterhaken. Nach und nach schieden so die Jungen aus und es gab immer ein Mädchen weniger zum Einhaken.

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Diese Version des Kinderspiels sorgte für manch lustige Situation und ist garantiert als gute Anregung mit nach Deutschland zu nehmen.
Am Ende des Abend wurde Essen und schließlich Torte serviert.

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Das (ehemalige) Geburtstagskind schneidet seine Torte an.

Den Abend beendeten wir persönlich als dann nur noch mit Kofferpacken.

Anmerkung: Der letzte Tagesbericht und ein kleines Abschlussresümee werden vermutlich etwas auf sich  warten lassen, wir fliegen heute Abend zurück und davor werde ich es nicht schaffen können das ganze zu schreiben.

 

Freitag: Malys Kindergarten, die deutsch-evangelische Gemeinde, Gabys Laden und eine Partnerschaftsbesprechung

Auch am Freitagmorgen konnten wir etwas länger schlafen. Um kurz vor 10 kam Maly aus ihrem Kindergarten vorbei und nahm uns eben mit um die Ecke zu ihrer Arbeitsstätte.
In ihrem Kindergarten betreuen sie und ihre Mitarbeiterinnen Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren.

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Maly in ihrem Kindergarten.

Wir teilten uns auf die einzelnen Gruppen auf. Bei Dorothea und mir, Rebecca, legten die 11 Kinder der Gruppe ihre Malsachen weg, um anschließend Papier zu zerreißen. Dieses wurde alsdann auf einem Lufballon festgeklebt.

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Die Kinder bekleben ihre Ballons.

Der Luftballon spielte im Verlauf der Spielzeit noch eine große Rolle, denn nach einem kurzen Lied erhielt jedes der Kinder einen Luftballon und gemeinsam testeten wir das Verhalten der Luftballons bei einem eingeschalteten Ventilator

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Als erstes wird gesungen.
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Was passiert. wenn der Ballon vor dem Ventilator ist?

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Auch dieses Spiel dauerte nicht so lange, kurz darauf trafen sich alle Gruppen, um in dem größten Raum, vermutlich ein Turnraum, gemeinsam zu singen.
Während so also die Kleinen fröhlich mitsangen und mitmachten, wurden wir daraufhin vorgestellt und bekamen kleine Geschenke überreicht. Nach einem Lied von uns und ein paar Fotos mit den Gruppen wurden wir jedoch bereits wieder durch Malys Mutter Angelina, Jorge und Daniel abgeholt.

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Die Kleinen überreichen uns kleine Geschenke.
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Eines unserer Geschenke – die Handabdrücke sind von den Kindern hier.

Gemeinsam fuhren wir also – es war auf den letzten Metern eher ein Irren- zu der evangelischen Auslandsgemeinde in Lima. Diese ist seit 2015 voll in einer neuen Kirche in einem etwas besser situierten Umfeld.

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Wir haben die Kirche endlich gefunden.

Die Pfarrerin, die dort gemeinsam mit ihrem Mann arbeitet, führte uns herum und erzählte uns viel von der Gemeindearbeit. Nun war es auch mal an mir / uns zu übersetzen (also für mich bedeutete das nur in die englische Sprache zu übersetzen, mit Spanisch wäre ich persönlich hilflos überfordert gewesen).
Vieles ähnelt unserer Gemeinde, auch wenn z.B. die Konfirmanden und Eheschließungen bedeutend weniger sind.
Nur 1 Drittel der Mitglieder sind dauerhaft in Lima, der Rest bleibt nur für eine bestimmte Zeit. Auch die beiden Pfarrer verlassen am Ende des Jahres nach 8 Jahren Lima in Richtung Deutschland.
Insgesamt umfasst die Gemeinde, die die einzige evangelische in Peru ist, circa 500 Mitglieder.
Aufgrund ihrer geringen Größe und ihrer Alleinstellung in Peru arbeitet sie eng mit der deutschen katholischen Gemeinde, mit anderen lutherischen peruanischen Gemeinden und auch mit der deutschen Humboldtschule zusammen. Die Gottesdienste selbst werden auf Deutsch gehalten, viele weitere Angebote sind jedoch auch zweisprachig.

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An der Architektur lässt sich erkennnen, dass sie noch sehr neu ist.
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Der Kirchenraum von Innen.

Von der Pfarrerin verabschiedet machten wir uns auf, etwas zu mittag zu essen. Wir endeten in einer Straße, wo scheinbar eh jedes Restaurant gleich zu sein schien, Jorge und Angelina aber nach einem scheinbaren System schließlich ein Restaurant auswählten. Das Essen war tatsächlich erstaunlich gut – auch wenn vegetarisch einfach mal wieder hieß das Fleisch wegzulassen- und gestärkt fuhren wir zurück zu Evelia.

Dort arbeitete Evelia gemeinsam mit einer Gemeindeschwester an den Handarbeiten der Frauengruppe. Auch unsere Webarbeiten setzen Sophia, Martha und ich fort. Sophia konnte sie bereits kurz nach unserem Eintreffen beenden, wir anderen zwei brauchten noch etwas Zeit.

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Evelia und die Gemeindeschwester arbeiten gemeinsam an Kissenbezügen für Weihnachten

Gaby, Evelias Schwiegertochter und eine Malerin, hatte uns versprochen, noch ihr Geschäft zu zeigen. Als sie dann schließlich um 6 Uhr kam, gelangten wir in die schlimmsten Zeit des Feierabendverkehrs. So brauchten wir 1,5 Stunden, um zu dem Geschäft zu gelangen.
In einem Einkaufszentrum hat sie einen kleinen Lagerraum, in dem verschiedenste Werke liegen. Neben eigenen Bilder verkauft sie auch Werke von anderen Malern. Der Raum selbst reichte jedoch kaum aus, um alle Bilder zu fassen.
Als wir uns alle nun etwas ausgesucht hatten (wir wurden etwas, nett gemeint, dazu gedrängt), mussten wir uns beeilen, um wieder zur Kirche zu gelangen.

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Gaby in ihrem Geschäft.

Diese erreichten wir mehr als eine Stunde später als das Treffen mir dem Presbyterium und dem Partnerschaftskreis angepeilt war.
Sobald wir schlussendlich dann bei Gebäck und Kaffee zusammen saßen stellte sich jeder einmal mit seiner Funktion vor. Anschließend wurde den 15 Jahren Partnerschaft gedacht. Auch das Jetzt, also die zur Zeit stattfindende Delegationsreise, spielte eine Rolle. Wie nicht anders zu erwarten neben der Vergangenheit und dem Jetzt war auch eine Planung und ein Austausch über die Zukunft sehr wichtig. Mehr Kommunikation über unter anderem sozialen Netzwerken wurde vorgeschlagen. Auch einen weiteren Jugendlichen für längere Zeit aufzunehmen, konnten sich beide Gemeinden gut vorstellen, auch wenn das vermutlich noch eher Zukunftsmusik ist.

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Angelina zeigt ihre Meinung auf…
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…genau wie Martha.
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Auch von den Presbytern gab es Geschenke für die Gemeindebezirke.

Recht spät endete auch dieser Abend, so beendeten Martha und ich unsere Webarbeiten.

Donnerstag:die Schule „Los Peregrinos“, der Textilmarkt Gamarra und „500 Jahre Reformation“

Am Donnerstagmorgen verließen wir (für unsere Verhältnisse hier) sehr früh das Haus. Genau wie für Patricia sonst auch hieß das halb 8. Auch hier begleiteten uns neben Patricia Pastor Jorge und sein Sohn Daniel. Zu Fuß und mit dem Bus erreichten wir schließlich um kurz nach 8 Uhr die Schule „Los Peregrinos“ in der Patricia als Englischlehrerin arbeitet.

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Die Schule „Los Peregrinos“.

Die Aula war bereits voll gefüllt mit jungen Schülern und Schülerinnen in Bankreihen. Diese tanzten, mehr oder weniger motiviert und koordiniert, das nach, was eine Gruppe von Erwachsenen auf der Bühne vormachte. Nach und nach bemerkten uns die ersten Kinder und drehten sich neugierig zu uns um. Bevor wir dann aber selbst auf die Bühne mußten, führte eine Klasse erst noch einen kleinen Tanz auf und ein kurzer Videoclip erzählte eine Bibelgeschichte.

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Mit einem Lied wird Gott auch bereits am Morgen gedankt.

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Die Schüler der Primarschule lauschen gespannt.

Auf der Bühne stellten wir uns schließlich vor und sangen ein Lied auf Deutsch.
Nachdem die Veranstaltung, die einmal in der Woche für die Primar- und einmal für die Sekundarschule abgehalten wird, beendet war gingen die Schüler in ihre Klassen. Patricia führte uns etwas durch die Schule. Diese ist eine recht günstige Privatschule im Verhältnis zu anderen Schulen und christlich geprägt. Neben der Primar- und Sekundarschule gibt es auch eine Art Kindergarten/ eine Vorschule.

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Die Vorschule liegt auf dem gleichen Gelände.

Schließlich setzten wir uns in einen der Englischunterrichte. Die Schüler waren in etwa 15 und 16 Jahre alt. Sie führten ein Lied auf, welches sie vorher geübt hatten. Die Englischlehrerin erzählte uns von Sprachproblemen, da die Schüler eine weite Entfernung zum nächsten englischsprachigen Land zurücklegen müßten. Im Anschluß daran ging sie mit den Schülern verschiedene Sportarten durch.

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Die Klasse stellt das erlernte Lied vor.

Leider mußten wir bereits nach dem Ende der Stunde die Schule wieder verlassen.
Auf unserem Rückweg zu Evelia zog es uns dabei jedoch immer wieder zu verschiedensten Ständen und Geschäften an der Straße.

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Auf dem Rückweg kamen wir kaum voran, so häufig haben wir gehalten.

Am Nachmittag fuhren wir gemeinsam mit Jorge, Daniel und Rolando zum Kleidungsviertel Gamarra. Dieser Stadtteil ist von der starken Textilindustrie geprägt.
Zuerst war eine Art Bibelstunde vorgesehen, dazu gingen wir in eine Art Einkaufsmeile, in der wiederrum einzelne Parzellen vermietet waren. Die Verkäufer grüßten den Pastor alle freundlich und er schlug uns vor, jeweils zu zweit mit einem oder zwei Verkäufern über die Bibel zu sprechen. Auch wenn diese Situation etwas befremdlich für uns war – es war teilweise ähnlich einer missionarischen Tätigkeit- lasen wir gemeinsam eine Bibelstelle, beteten ein Gebet oder lasen einen Psalm.
Nachdem jede Gruppe jeweils zweimal mit Verkäufern gesprochen hatte, war Jorge zufrieden und wir nutzen die Möglichkeiten Gamarras zum Einkaufen.
Auch wenn es innerhalb der Massen an Kleidung schwer war, noch irgendwas bestimmtes zu finden, gab es dennoch den ein oder anderen (Spontan)Kauf.
Etwas verwirrend waren auf den Straßen jedoch immer die Promoter, die für verschiedenste Geschäfte und Angebote ganz offensiv warben. Selten ist es aber wohl möglich, so viele „Marken“ auf einem Fleck zu erhalten. Wenn man will, hätte man vermutlich jedes Logo bekommen können. Da wir der Rushhour entkommen wollten, fuhren wir bald wieder zu Evelia.

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Eine Straße im Textilmarkt Gamarra.

Am Abend stand noch eine Diskussionsrunde zur Thematik „500 Jahre Reformation“ auf dem Programm. Zuerst wurde reium je ein Vers aus dem Römerbrief Kapitel 10 gelesen. Im Anschluss durften die Anwesenden das Thema kommentieren.
Dorothea betonte in ihrer Rede gerade die Problematik, daß sich durch die Reformation ein großer Spalt zwischen dem Konfessionen auftat. Jorge, nicht der Pastor, sondern ein anderes Mitglied des Presbyteriums, brachte seine Bedenken hervor über immer mehr Gemeinden in Südamerika, die ähnlich wie zur Zeit Luthers durch Geldleistung Seelenheil versprechen.

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Jorge erählt von seinem Unmut über abzockerische Gemeinden.

In diesem Zusammenhang betonte der Pastor Jorge stets die Wichtigkeit von vier Aspekten auf dem Weg zu Gott: der Glaube, die Gnade, Jesus Christus und die Predigt.
Auch dieser Abend endete kurz darauf.

Mittwoch: das Umweltprojekt und die Bibelstunde in ungewöhnlichen Räumlichkeiten.

Der Mittwoch begann zum Glück nicht so früh. Für uns in voller Stärke – alle Kranken vom Vortag hatten sich etwas erholt – stand um 10 Uhr die Vorstellung des Umweltprojektes der Kirche auf dem Programm.

Angelina, Malys Mutter, leitet die Arbeit, die 2009 begonnen wurde. Während es am Anfang ein Fulltimejob war – es mussten viele Klinken geputzt werden – muss sie nun vor allem abends telefonieren oder trifft sich mit der Gruppe. Dieses Projekt wurde zwar zunächst nur in Lima gestartet, breitete sich jedoch aus und wird bereits in anderen Ländern wie Bolivien durchgeführt.
Hier in Lima gibt es drei große Firmen, die die Umwelt stark belasten.

Gegen diese Belastung und auch die immer wieder vorkommende Korruption protestiert die Gruppe und veranstaltet Aktionen. Inzwischen helfen dabei auch 2 Schulen der Umgebung. Es gab verschiedenste Projekte wie Kundgebungen, Messen, Aufklärungsarbeit, Müllsammel- und Verschönerungsaktionen und an einer Schule eine Modeschau mit Kleidern aus Abfall (z.B. Zeitung/Plastiktüten).

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Angelina zeigt uns anhand einer Präsentation die Arbeit des Umweltprojekts der Kirche.

Sobald Angelina uns all dies in einer Präsentation vorgestellt hatte, machten wir uns auf zu den beiden Schulen.

Als wir bei der 1. Schule ankamen, hörte man bereits laut Musik. Im Innenhof wurde deutlich warum: zum anstehenden Jubiläum der Schule übten die Schüler Tänze und schmückten die Schule. Von jungen Schülergruppen umlagert, wurde uns gezeigt, wie man die Schule mit Rasenflächen begrünt und auch die Müllentsorgung optimiert hatte.

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Die Kinder bereiten sich auf die Geburtstagsfeier der Schule vor.
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Dies ist eine der Grünflächen, die das Umweltprojekt an der Schule anlegte.

Anschließend wurden uns ein paar Klassen vorgestellt – eine 3., eine 1. und eine 8. Klasse. Diese erzählten uns etwas über den Unterricht, auch wenn das selbst mit dem Umweltprojekt nur bedingt etwas zu tun hatte. Am lustigsten war für uns dabei vermutlich die Frage nach unserer Haarfarbe: ob wir die gefärbt hätten?

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Die 1. Klasse singt gemeinsam mit ihrer Lehrerin ein Lied.
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Auch die 8. Klasse lernt fleißig…
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… auch mit dem Einsatz moderner Mittel.
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Der Rektor führte uns während unseres Besuches herum.

Um zu der zweiten Schule zu gelangen, gingen wir den Weg zurück, den wir gekommen waren, und erreichten schließlich die andere Schule nahe Malys Kindergarten.

Auch hier wurden wir vom Rektor herumgeführt, der uns die Bemühungen seiner Schule zeigte. Trotz des beschränkten Platzes wurden mehrere Bäume gepflanzt. Aus alten Plastikflaschen hatten die kleineren eigene Töpfe gebastelt und diese bepflanzt. Die Kleinsten hatten bunte Kisten bepflanzt. Des weiteren erzählte uns eine Lehrerin, sie würden die Wände durch Pflanzvorhänge mit Taschen begrünen.

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Die selbstgestalteten Plastikflaschenblumenkästen.
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Die Kleinsten bepflanzten verschiedene Kisten.
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Eine Lehrerin zeigt Martha und Sabine die Vorhänge zur Begrünung der Wände.

Nachmittags kam Hilda von der Arbeit im Kindergarten vorbei und brachte uns einen typischen peruanischen Nachtisch, eine Fruchtgrütze basierend auf lila Mais. Das nicht ganz so süße Kompott hatte große Ähnlichkeit mit dem auch aus lila Mais gewonnenen Getränk, Chicha morada. Leider hatten wir nicht viel Zeit, um uns mit Hilda zu unterhalten, da wir bereits um halb 5 weiter mußten. Pastor Jorge und sein Sohn Daniel holten uns ab, damit wir sie zu einer Bibelstunde in einer Sargfabrik in Jicamarca begleiteten. Mit dem Bus gelangten wir zu einer Hochbahnstation. Durch den Feierabendverkehr war die Hochbahn sehr gut befüllt. Aber laut Daniel war das längst noch nicht voll, schließlich hätten noch Leute reingepaßt.

Als wir nun in der Endstation ankamen, war es noch hell, so konnte man sehr gut die umliegenden Berghänge betrachten. An diesen wirkte es, als würden sich die bunten Häuser festklammern. Trotz der teilweise katastrophalen Lage – kein Wasser, kein Strom, keine richtigen Wege – erwerben auch diese Bewohner die Grundstücke von der Mafia. Die Sargfabrik selbst wirkte sehr unscheinbar. Man erkannte erst auf dem zweiten Blick, was hier produziert wird.

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Die bunten Häuser stehen ohne Wasser, Strom und Wege an den Berghängen.
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Trotzdem zahlen die Bewohner für das Grundstück.

Die Fabrik teilt sich auf in ein Haupthaus und drei Nebenhallen. Im Haupthaus wurden wir von den “Frauen des Hauses” begrüßt. In der Küche wurde auch an drei Nähmaschinen die Innenverkleidung der Särge genäht. Auf unsere Anfrage hin konnten wir auch die Nebenhallen besichtigen. Dort werden aus Glasfaser zuerst die Rohkorpusse hergestellt und gelagert. Anschliessend wird der Rohkorpus außen mit Echtholzfurnier beklebt. In einer anderen Halle bemalen die Arbeiter diese Särge in einem Rotton – andere Farben wie Bronze sind auch möglich, aber seltener. In der letzten Halle, der zweitgrößten, werden die Sargdeckel lackiert und das Holz wird zugeschnitten. Als wir mit dem Rundgang schließlich fertig waren, setzten wir uns an einen Tisch nach draußen und wurden mit Kaffee und Brötchen verköstigt.

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Die Särge dürfe nicht verrotten, da die Leichen nicht in der Erde bestattet werden, daher wird Glasfaser benutzt.
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Die Sargdeckel gibt es in Peru immer mit Fenster.
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Das Holz wird für die Furnierung zugeschnitten.
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Die Sargdeckel werden auch Rot lackiert wie die Korpusse.

In dieser Zeit machten sich die Arbeiter noch fertig. Eine der Frauen erzählte uns, wie sie durch den Glauben neue Kraft gefunden und sich ihr Kinderwunsch noch einmal mit 45 Jahren erfüllt hatte. Während wir noch den leckeren Käse aus Cajamarca genossen, trudelten die Arbeiter nach und nach ein und Jorge begann mit seinen Ausführungen. Die Lektion handelte von dem Bereitmachen für den Glauben an Christus, wie es auch in dem Buch Jesaja, 40 geschrieben steht. Der Pastor bezog sich sehr auf die persönliche Ebene, da viele der anwesenden Arbeiter auch noch recht neu im Glauben waren.

Jorge appellierte daran, die “Täler” – die persönlichen Abgründe, er bezog sich vor allem auf falsche sexuelle Begierden – einzuebnen, d. h. den Begierden zu widerstehen. Auch die “Berge” sollte man einebnen, indem man seinen Hochmut durch Demut vor Gott überwindet. Den nächsten Schritt sah Jorge darin, seinen Weg zu begradigen und ohne Ablenkung zum Glauben zu gelangen. Auch kleine Hindernisse müssen ausgeräumt werden.  Die meisten Männer gingen kurz nach dem Abschlußgebet. Einer blieb jedoch noch und erzählte uns erst von seinem Weg zum Glauben und den Hindernissen in seiner Familie.

Schließlich brachen wir auch auf und fuhren in einem vorsichtig ausgedrückt klapprigen Kleinbus eine gefühlte halbe Ewigkeit durch Lima.

Dienstag: Schwester Lidovina, die Frauengruppe und der ungewöhnliche Gottesdienst

Am Dienstagvormittag besuchten Martha und Sabine zusammen mit den Pastoren Norma und Jorge sowie deren Sohn Daniel das älteste Gemeindemitglied, Lidovina. Die etwa 85- jährige Frau – ihr Alter ist nicht genau bekannt- hat letztes Jahr ihren Mann verloren, der sie zuvor immer mit zur Kirche brachte.

Sie lebt im Stadtteil „Las Flores“, einem noch ärmeren Viertel als „San Agustin“. Liduvina lebt seit 70 Jahren in Lima und hat jahrzehntelang in einer Schuhfabrik gearbeiter. Ihr Mann Frederico war bei einem staatlichen Transportministerium angestellt, wodurch sie jetzt in der glücklichen Lage ist, eine kleine Witwenrente zu erhalten, die ihr den Lebensunterhalt mehr oder weniger gut sichert.

Aufgrund der Entfernung und der nachlassenden Sehkraft ist es ihr nicht mehr möglich, die Kirche regelmäßig zu besuchen, obwohl sie sehr religiös ist. Sie lebt in einem kleinen, bescheidenen Backsteinbau mit einer zur Straße hin offenen Veranda mit Wellblechdach. Aufgrund der beengten Wohnverhältnisse konnten wir nur eine Abordnung unserer Delegation schicken. Sie hat einen Sohn und vier Enkelsöhne, die sich um sie kümmern, soweit es deren Arbeit zuläßt. Die Nachbarn sehen auch des öfteren nach ihr . Daher möchte sie aus ihrer vertrauten Umgebung nicht wegziehen.

Die schon durch den plötzlichen Tod ihres Mannes getroffene Frau erlebt durch eine beginnende Erblindung aufgrund einer Makuladegeneration einen weiteren Rückschlag. Dennoch bleibt sie fest im Glauben und so sang unsere Truppe gemeinsam mit ihr ein paar christliche Lieder.

Am Nachmittag war um 3 Uhr das Treffen der Frauengruppe nebenan. Evelia leitet diese und ging mit uns -Sophia, Martha, Sabine und mir, Rebecca- rüber in die Kirche.

An einem runden Tisch waren bereits einige Frauen versammelt, darunter auch Norma, die Frau des Pastors.

Die Ankündigung, es werde erst eine Stunde gehandarbeitet, bevor man in der Bibel lesen würde, stieß auf gemischte Gefühle. Während Sabine eher zurückhaltend erklärte, sie habe zwei linke Hände, beteiligten wir anderen uns. Auf Styroporrahmen werden Geschenkbänder gewebt und diese werden dann anschließend vernäht und als Vorderseite eines Kissens benutzt.

Die Kissen werden über das Internet zum Verkauf angeboten.

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Martha interessiert sich für die verschiedenen Muster.
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Einen Kissenbezug, an dem Martha schließlich weiterarbeitet.
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Martha arbeitet an dem Kissenbezug weiter.
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Uns wird erklärt, wie wir die Geschenkbänder zu weben haben.
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Unsere Werke in der Stunde Handarbeit.

Nach einer Stunde Handarbeit begann Norma mit der Bibelstunde. Nachdem sich jeder ein Lied wünschen durfte, erzählte Norma von der Heilung eines Gelähmten durch Petrus und Johannes mit einem Aufruf an uns, auch anderen Gott näher zu bringen und ihnen so zu helfen.

Als schließlich die eigentliche Stunde beendet war, wurden jedem von uns Kissenbezüge geschenkt und eine der Gemeindeschwestern bereitete eine typisch peruanische Nachspeise vor.

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Die Frauengruppe hat uns allen ein Kissen mitgebracht.
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Die Gemeindeschwester backt ein typisch peruanisches Gebäck – Picarones.

Das Gebäck besteht aus einem in Fett ausgebackenem Teig und wir in Honig gedippt.
Martha wollte natürlich sofort das Rezept haben.

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Die Frauengruppe und unsere kleine Abordnung.

Am Abend war um 8 Uhr ein Gottesdienst angekündigt. Was hier 8 Uhr hieß, begann peruanisch mal wieder eine halbe Stunde später. In einem Kreis sitzend lasen wir nacheinander je einen Vers von Jesaja Kapitel 1. Hiebei handelt es sich um die Geschichte um die Zerstörung Jerusalems. Wir wurden alle aufgefordert, uns dazu zu äußern und so wurden verschiedenste Meinungen, Kommentare zu den Versen eingebracht. Besonders betonte Jorge dabei, dass das Volk Israels, obwohl es sogar ein Esel und ein Ochse kann, nicht ihren eigenen Herrn erkennen würden.
Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes legte eine der Gemeindemitglieder ein „Zeugnis“ ab, wie es in Freikirchen häufig üblich ist. Sie sprach davon, wie sie durch die Misshandlung ihres Mannes depressiv wurde, sich den Medikamenten aber mit Gottes Beistand aus Angst vor einer lebenslangen Abhängigkeit entzog und sich schließlich nach einer zwischenzeitlichen Trennung ihrem Mann wieder annäherte.

Im Anschluss an dieses Zeugnis erklärte uns Daniel, der wieder übersetzte, es sei nun üblich sich für 20 Minuten vor den Altar oder irgendwo anders in der Kirche zu knien um still zu beten. Da das Knien doch etwas befremdlich auf uns wirkte, saßen wir 4 lieber still auf der Bank, um zu beten.

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Jeder betet für sich allein zu Gott.

Nachdem wir wieder auf unseren Plätzen saßen, wurde Popcorn hereingetragen. Daniel, der am Mittwoch 24 Jahre wurde, meinte sein Geburtstag würde wie häufig in Peru einfach einen Tag vorgezogen.

Während also das Popcorn rumging, stand jeder auf, gratulierte und sagte ein paar Worte. Nach dieser, für unsere Verhältnisse etwas ungewöhnlichen Gratulationsrunde, wurde mit Kaffee und Kuchen, den Daniels Schwester gebacken hatte, sich einfach etwas unterhalten. Es gab auch einen weiteren typischen Nachtisch, für den wir 4 jedoch alle zu satt waren.

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Das (fast) Geburtstagskind- der aufmerksam schauende junge Mann- hört jeder Gratulation freudig zu …
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… und bedankt sich schließlich bei allen – und natürlich bei Gott.

Mit diesem sehr lang geworden „Gottesdienst“ endete der Tag für uns.

Ein Tag im Zentrum von Lima

Bevor wir am Montagmorgen die Schneiderei von Marlita besuchten kam Pastor Jorge vorbei und brachte uns in Vorbereitung auf das Treffen das Heft “Neues Leben in Christus”. Diese Step-by-Step Anleitung – Lektion 12 Familie – sollten wir uns bitte angucken.

Etwas verwirrt nahm jeder ein Heft und wir sahen uns besagte Lektion 12 an. Unter dem Thema “Meine Familie” wurden gefordert, aus angegebenen Bibelstellen die Gebote für Ehemänner, Ehefrauen und Kinder herauszusuchen. Desweiteren wurden Gottes Plan für die Familie erörtert und Denkanstöße zur eigenen Situation gegeben (Familie nicht christlich, unverheiratetes Zusammenleben, Ehebruch, …).

Während wir begleitet von Jorge und ein paar Gemeindemitgliedern mit dem Bus in die Innenstadt fuhren, guckten wir uns das Heft etwas genauer an. Viele Texte wirkten eher befremdlich auf uns und sie machten uns deutlich, dass unserer Partnergemeinde doch teilweise einen etwas anderen – viele würden es vermutlich als konservativeren bezeichnen – Standpunkt besitzt als wir.

Die Schneiderei befindet sich in einem großen Gebäude mit mehreren Etagen (vermutlich um die 10 Etagen). In einzelnen Parzellen wird unten Kleidung verkauft, während in den darüberliegenden Stockwerken größtenteils nur noch Produkte (Schmuck, Kleidung, …) hergestellt werden. Nur ab und zu befindet sich zwischen den Werkstätten noch ein Geschäft.

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Beispiel einer anderen Nähparzelle.

In der Werkstatt von Marlita waren 9 Arbeiter anwesen, darunter Franco, sie selbst, ihr Mann, und noch viele weitere ihrer Verwandten. Weitere Arbeiter hätten heute laut Marlita frei. Wir befanden uns in dem Bereich, in dem die Teile zugeschnitten und bedruckt werden. Anhand einer Maschine erklärte Marlita uns, wie man ein entsprechendes Logo aufdrucken könne.

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Marlita erklärt uns wie Logos aufgedruckt werden.

Nachdem sich alle vorgestellt hatten, began Pastor Jorge mit seiner Lektion. Hierzu bat er uns, die mitgebrachten Hefte und die Bibeln herauszuholen. Auch die Mitarbeiter in der Werkstatt hatten jeweils ein eigenes Heft – natürlich entsprechend auf Spanisch. Nach und nach wurden so die Punkte durchgegangen und das “korrekte” Verhalten beschrieben. Auch den Paaren, die gemeinsam in der Werkstatt arbeiteten, wurden praktische Tipps zum Umgang in der christlichen Ehe gegeben. Leider wurde dabei nur der Anfang der Lektion erarbeitet, während gerade das Ende mit den Beschreibungen der persönlichen Situation ein großes Interesse bei uns hervorgerufen hatte, da es unserem Standpunkt manchmal nicht enspricht.

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Pastor Jorge spricht über die Step-by-Step Anleitung zum Christsein – Lektion 12 Familie.

Nach der Lektion wurden wir mit Gebäck und Getränken versorgt. Anschließend gingen wir ein paar Stockwerke tiefer und begutachteten dort die Maschinen, die Logos auf die Kleidung sticken. Ein Mitarbeiter zeigte uns anhand eines Stoffstückes, wie dieses nun von Adidas kommen würde.

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Die Logostickmaschinen.
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Unserer eigenes Adidas Stoffstück.

Vermutlich ist es eine nette Verbindung eine Maschine zu haben, die über jede Konkurrenz hinweg Adidas, Nike, Puma und noch viele Marken mehr “produzieren” kann.

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Die Mitarbeiter und unsere Delegation.

Plötzlich bemerkten wir wie schnell die Zeit vergangen war und mussten uns sehr beeilen, um noch rechtzeitig um 12 Uhr am wenige Blöcke entfernten Regierungspalast zu sein. Dort sollte um 12 der Wachwechsel sein, der jeden Tag nur um diese Zeit stattfindet.
Als wir nun auf dem Weg zu diesem waren, berichtete Marlita uns, dass sie in diesem Geschäft – sie zeigte auf die andere Straßenseite – ihre hergestellten Sachen verkaufen würde.

Mehr oder weniger pünktlich – je nach dem wie motiviert man sich beeilt hatte – kamen wir am Tor an. Leider mussten wir etwas Abstand zum Gitter halten, aber dennoch war der Wachwechsel selbst gut zu betrachten. Zwei Gruppen von Soldaten kamen aus zwei verschiedenen Toren des Palastes, liefen einmal quer über den Hof und kamen im anderen Tor wieder in den Palast.
Was sich hier so einfach anhört war eine Choreografie aus synchronisierten, von der Soldatenkapelle begleitetem Beinheben und Strecken, Fahnen ausstrecken und wieder heben. So dauerte dieses pompöse Schauspiel an die 30 Minuten.

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Der Wachwechsel am Regierungspalast.

Direkt neben dem Palast befindet sich die Kathedrale von Lima. In ihr ist auch das Museum der religösen Kunst ansäßig, welches wir im Anschluss an den Wachwechsel besuchten.
Die Ausstellungsstücke stellen teilweise verschiedenst verzierte Seitenaltäre, aber auch Gemälde, Chorbücher, Figuren und sogar verschiedenste Arten von Kleidung, die Päpste auf ihren Besuchen in Lima trugen.

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Die Kathedrale von Außen.
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Unserer Reisegruppe vor der Kathedrale.
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Das Mittelschiff der Kathedrale von Innen.

Nach einer Mittagspause in einem Restaurant um die Ecke – das vermutlich vom deutschen Veterinäramt sofort geschlossen worden wäre- gingen wir weiter zu der Kirche und dem Konvent San Francisco.
Diese umfassen ein weiteres Museum, welches neben verschiedensten Gemälden und Statuen auch Katakomben enthält, in der nach einer schlimmen Seuche in Lima 25.00 Menschen begraben und ihre Gebeine später symetrisch angeordnet wurden.

Kurz nach dem Besuch dieses Museums machten wir uns auf um eine Post zu suchen. Mareike und Sophia hatten Postkarten geschrieben und wollte diese nun abschicken. Als auch das erledigt war (die Post war zwar schwer zu finden, aber Dorothea erinnerte sich von ihrem letzten Besuch noch daran) gingen wir weiter zu einem Kunstmarkt. Auch hier gab es wieder jene Parzellenstruktur, die es schon so häufig gab. In den verschiedenen kleinen Geschäften wurden Souveniers, Kunstarbeiten, Schmuck und viele Produkte vom Alpaka verkauft.

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In diesem Geschäft wurden verschiedenste Produkte aus der Wolle/dem Fell des Alpakas verkauft.

Nachdem unser Einkaufsbummel beendet war, fuhren wir zurück zu Evelia und verbrachten dort den Rest des Abends.

Ein herzlicher Gottesdienst, Singen und nasse Füße

Nachdem wir bereits am Vortag die Zutaten für die Waffeln besorgt hatten, mussten diese nun zubereitet werden. Martha und Sabine übernahmen diese Aufgabe.
Während Dorothea noch einmal an ihrer Predigt saß, gingen Mareike, Sophia und ich, Rebecca, um kurz nach 10 Uhr rüber in die Kirche. In der Annahme, dass wir bereits ein paar Minuten zu spät seien, trafen wir ein, doch außer uns waren noch keine Jugendlichen für die Bibelschule da. Dementsprechend wurden wir von Pastor Jorge erst einmal beauftragt, die Anordnung der Blumen in den Vasen zu übernehmen – er sah sich etwas überfordert damit.
Als nun um halb 11 die meisten Jugendlichen da waren, begann Pastor Jorge mit seinen Ausführungen. Sein Sohn Daniel übersetzte für uns auf Englisch. Anhand eines kleinen Handbuchs wurden Fragen wie “Ist Gott gerecht/Die Wahrheit/ barmherzig?”, “Wie viele Götter gibt es?”, “Wie viele Personen gibt es in Gott?” und “Wer ist der Vater/der Sohn/der heilige Geist?” erörtert. Anhand einer entsprechenden Bibelstellen wurden jeweils Antworten auf die Fragen gefunden. Zudem kamen kleine Ausführungen des Pastors hinzu, so sprach er zum Beispiel sehr intensiv über die Dreieinigkeit Gottes und kritisierte in diesem Zusammenhang die Glaubensgemeinschaften, die nur Teile der Dreieinigkeit annerkennen würden, wie die Zeugen Jehovas.

Die Bibelstunde war natürlich noch lange nicht um 11 Uhr beendet – auch wenn dann der Gottesdienst beginnen sollte- und so begann der Gottesdienst mit ungefähr einer halben Stunde Verspätung. Nach der Erfahrung der doch sehr laut eingestellten Boxen, nahmen wir lieber nicht mehr in der ersten Reihe Platz. Gemeinsam mit der Band wurden wieder Lieder gesungen – leider war die scheinbar einzige Person, die einen an den Beamer anschließbaren Laptop besitzt, nicht da und so fehlte uns Gästen so mancher Liedtext. Zudem sangen Franco und eine Frau im Duett ein selbstgeschriebenes Lobpreislied und eine andere Jugendliche führte ein Gedicht/ eine szenische Inszenierung auf.

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Franco im selbstkomponierten Duett.

Dorothea hatte den Auftrag an diesem Sonntag die Predigt mit dem Thema “Mission unter den Flüchtlingen” zu halten. Vermutlich anders als sich der Pastor es vorgestellt hatte -dieser strebt eine Bekehrung all jener an, die nicht christlich sind- sprach Dorothea so über die Aufgabe, den Flüchtlingen, egal welches Glaubens, offen zu begegnen und ihnen zu helfen. Eine Missionierung sah sie eher durch die Iraner, die in unserer Gemeinde eine aktive Auseinandersetzung mit unserem Glauben – und so eine Missionierung- anregen.

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Dorothea predigt.

Unser Plan Waffeln und zwei Waffeleisen zu verschenken, musste erst einmal der Gemeinde bekannt gegeben werden. Hierzu erzählte Mareike von unserem Geschenk, welches auch durch die Herzformen einen besonderen Aussagecharakter haben sollte. Unsere Wortfindungsschwierigkeiten bezüglich der Waffeln erwiesen sich als unbegründet – Waffel heißt auf Spanisch “waffle” und Waffeleisen “wafflera”.
Zuletzt erhielten wir in diesem Gottesdienst noch kleine Geschenke für die einzelnen Bezirke.

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Wir erklären unser Geschenk anhand der ersten schon gebackenen Waffel.
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Pastor Jorge überreicht uns die Geschenke für die Bezirke.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden die Waffeln verteilt, die Sabine und Martha schon während des Gottesdienstes fleißig gebacken hatten. Dank der knapp 90 gebackenen Waffeln, bekam jeder der 110 Besucher fast eine komplette Waffel. Gerade die Kinder freuten sich über die Leckerei, aber auch von vielen Erwachsenen kam großes Lob. Immer wieder ertönte dabei der Spruch “Esta muy rico.” (Das ist sehr lecker) und allerlei Bedankungen.

Nachdem auch die letzte Waffel verteilt war und alles aufgeräumt war, beeilten wir uns mit dem Mittagessen bei Evelia, da wir kurz darauf wieder abgeholt wurden.

Für das Treffen der Lobpreisgruppe besuchten wir einen Vorort von Lima. Diese Gruppe ist für die Musik während des Gottesdienstes zuständig. In dem Vorort, in einer etwas teureren Wohngegend – beide Gastgeber sind im Staatsdienst, einer sehr sicheren und gut bezahlten Arbeit- empfing uns eine Familie der Gemeinde.
Durch ein Bingospiel lernten wir alle Namen besser kennen und konnten anschließend von zwei Gitarren begleitet verschiedene Lieder singen. Neben uns bekannten Lieder wie “Danos un corazón” oder “Eres todopoderoso” lernten wir auch neue Lieder und brachten ihnen im Gegenzug deutsche Lieder bei. Die Liederhefte des Weite wirkt Festivals in Halle enthielten auch Lieder aus dem Kongo und so sangen wir ebenso ein paar dieser Lieder.

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Wir lauschen gespannt wie Lucy sich vorstellt.

Zum Abschluss an das gemeinschaftliche Singen wurde gemeinsam gegessen. Dabei kam auch der Vorschlag auf, zum nah gelegenen Meer zu fahren.
Nach dem Essen wurde dieser Plan deshalb in die Tat umgesetzt.

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Ein Gruppenbild zum Abschluss mit den Mitgliedern der Lobpreisgruppe, den Gastgebern und allen anderen Gästen.

Die kurze Autofahrt endete in einer sehr belebten Gegend. An gut besuchten Lokalen und so mancher straßenmusikalischen Einlage vorbei spazierten wir in Richtung des Meeres. Dort angekommen standen wir erstmal nur am Strand aus Steinen, bis ein paar Jugendliche auf die Idee kamen, doch als Mutprobe jeweils bestimmte Pfeiler in dem Wasser zu berühren. Anfangs noch etwas zurückhaltend probierten wir so – erst noch mit Schuhen- dabei nicht von der Welle getroffen zu werden. Nachdem uns Jugendlichen das dann jedoch doch nicht reichte, wurden Schuhe ausgezogen und Hosenbeine hochgekrempelt, um einen noch weiter entfernten Pfosten zu erreichen. Wie erwartbar, ging das teilweise doch etwas schief und die Wellen trafen uns kniehoch.
Barfuß traten wir dann den Rückweg an.

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Von der Promenade konnte man den Strand und die Küste gut betrachten.
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Noch sind wir alle trockenen Fußes…
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…was sich jedoch hier unten am (ohne Schuhe etwas schmerzhaften) Steinstrand änderte.

Als wir schließlich wieder am Ausgangspunkt unseres Spazierganges waren – inzwischen wieder mit Schuhen an den Füßen- fuhren wir wieder zurück zu Evelia.
Sehr müde endete dort unser Tag.